Mein Seelenhund Luma und unsere letze gemeinsame Reise ....

Sterbebegleitung / Erfahrung / Hilfe / Trauerbewältigung

Es ist der 14.08.2018 und du wärst heute neun Jahre alt geworden, mein kleiner Schatz. Ich denke jeden Tag an dich, besonders heute - der Tag an dem du geboren wurdest um mein Leben zu bereichern! Ich werde dich nie vergessen.
Happy birthday in heaven, my little babybear!

Der Tag an dem du von mir gegangen bist ist nun etwas über 4 Monate her.
Um die Trauer zu verkraften, habe ich in unserer letzten Zeit ein kleines Tagebuch geschrieben. Es hat mir sehr geholfen und ich bin froh, diese Erinnerung auf diese Weise festgehalten zu haben.
Um Anderen in dieser Situation zu helfen, habe ich versprochen, dieses Tagebuch an deinem Geburtstag zu veröffentlichen.
Heute morgen war ich noch davon überzeugt es nicht zu können. Aber irgendwas sagt mir, dass ich es einfach tun sollte...


Unser Tagebuch:

Heute ist der 16.03.2018 und gerade liegst du neben mir und schläft.
Du spürst es und ich weiß es, unsere letzten Stunden miteinander sind begrenzt.
Es tut weh daran zu denken aber ich funktioniere - für dich mein kleiner Schatz.
Ich bin anwesend, funktioniere und bin fast erschrocken, dass ich kaum weine.
Aber ich weine nicht, weil du nicht auch noch traurig sein sollst.
Als ein Stück meiner Seele spürst du genau wie es mir geht und du brauchst gerade einfach das Gefühl von Ruhe und Entspannung.
So denke ich jetzt ein wenig an dein Leben zurück... 

Im Dezember 2009 bist du zu mir gezogen.
Mit deinem Knuffelkissen und einem Beutel Futter hat der nette Herr aus Ungarn dich bei mir abgegeben.
Ich habe dich im Internet gefunden. Du warst süß, flauschig und vermutlich der letzte Welpe aus dem Wurf.
Damals kannte ich das Wort „Welpenmafia“ nicht und ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass du vielleicht als Ware gezeugt wurdest.
Heute betrachte ich das Ganze etwas anders.
Auch wenn du das Schönste bist, was mir in meinem Leben passiert ist, würde ich nie mehr unkontrolliert ein Tierbaby im Internet bestellen.
Abgesehen von der allgemeinen Grausamkeit des Welpenhandels, ist es unsagbar traurig, dass ein schönes Wesen wie du, viel zu früh an Krebs versterben muss.
Eigentlich dürfte dein Leben fast doppelt so lang sein.

 

Da warst du also, mein kleiner Plüsch. 4 Monate alt und noch nie beim Friseur. :-)
Deine Haare waren schon so lang, dass ich erstmal deine bezaubernde Schnute frei schneiden musste, um sie zu sehen.
Mit frischer Gesichts-Frisur ging es dann nach draußen.
Dort lag Schnee. Alles war weiß und du liebtest Schnee.

Es hat dir soviel Spaß gemacht durch den Schnee zu toben, dass es dir egal war, dass du durch dein langes Fell fast selbst zur Schneekugel wurdest. Ich habe es genossen, dich jeden Winter glücklich im Schnee toben zu sehen.
Du hattest recht schnell nach deiner Ankunft deinen ersten Friseurtermin.
Koscher war dir das ganze nicht aber ich war ja in der Nähe, also schien es schon okay zu sein.

Dann noch dieses neue T-Shirt (vom Friseur) mit Engelsflügel auf dem Rücken. :-)
Auch das war erstmal seltsam aber später hast du es geliebt und so oft getragen, bis es fast auseinander fiel. Wie ein kleiner König bist du damit herumstolziert.
Der Friseur war nie dein Hobby aber Ende gut, alles gut.
Als wir 2014 nach Niedersachsen gezogen sind, hast du eine ganz liebenswürdige Hundefriseurin bekommen.
Neben fürsorglicher Geduld haben wir beide genau gemerkt, dass sie dich mochte.

Du warst für sie weder Kunde, noch Ware - du warst für sie Luma.
„Kleine Robbe“ hat sie dich lieb genannt, wenn sie dich gebadet hat.
Du warst nach deinem Friseurbesuch immer total glücklich.
Zuhause - wie so oft, bist du dann herumstolziert, wie ein kleiner König. :-)

Du hattest ein schönes Leben an meiner Seite. Dieses Wissen gibt mir innerliche Ruhe.
Die zwei Katzen waren ganz schnell „deine Mädels“ und wenn sie vor dir abgehauen sind, hast du Geräusche wie ein kleines Äffchen gemacht.
Du warst traurig und wolltest nicht verstehen, warum sie nicht zum spielen bleiben.
Diese Geräusche hast du immer gemacht, wenn ein fremder Kumpel nicht mit dir spielen konnte, wollte oder durfte.
Du warst immer so lieb und aufgeschlossen zu anderen, mein Schatz. 

Im Dezember 2011 warst du aber bockig.
Deine „kleine“ Schwester Roma, eine Dobermann-Hündin, zog bei uns ein.
Nett - gut und schön. Aber Platz machen, war so gar nicht schön.
Schließlich warst du ja der König und jetzt solltest du Mutti, Katzen und Revier mit einem tapsigen Energiebündel teilen? Äußerst ungern.
Du hast den Neuankömmling immer schmollend aus einer Sofaecke beobachtet und als Protestzug hast du uns damals absichtlich mehrmals ins Doppelbett gepullert.
Jetzt muss ich darüber schmunzeln. :-) Damals bin ich fast verzweifelt.
Irgendwann hast du dich zum Glück an deine kleine, große Schwester gewöhnt.
Sie war ja doch ganz hübsch und roch auch ziemlich toll.
Manch eine Grobmotorik hast du ihr dann schnell verziehen.
Schließlich wusste sie, dass du am Ende der König des Hauses bist.
Die Rangordnung war also erstmal geklärt.

Ich werde diesen einen Moment niemals vergessen, als wir zusammen im Feld gassi waren.
Es war warm, die Sonne ging gerade unter und du bist mit Roma zusammen vorweg gelaufen. Dem Sonnenuntergang entgegen, beide nebeneinander.
Ihr habt beide irgendwie ausgesehen wie Timon und Pumba (von König der Löwen). :-)
Ich musste herzlich lachen.
Da Roma im gleichen Jahr mit dir hätte „alt werden“ können, habe ich mir vorgestellt, wie ihr so miteinander auf die Regenbogenbrücke zulaufenden werdet.
Es war ein wunderschöner Gedanke aber leider hat das Schicksal manchmal andere Pläne.
Du wirst als großer Bruder wohl für sie erstmal vorgehen und Gummibäume für deine Schwester pflanzen müssen, Bärchen. 

Vor knapp 2 Jahren waren wir zusammen beim Hundespielen und ich bemerkte es.
Eine große Beule war an deinem Hals zu spüren.
Sie war so groß wie ein Tischtennisball - von jetzt auf gleich.
Der Tierarzt entfernte dir dieses Ding sofort und sagte mir, es sei leider Schilddrüsenkrebs. Ich sollte damit rechnen, dass er wiederkommen könnte.
Eine Welt brach für mich zusammen, denn du warst doch erst 6 Jahre alt.
Ich habe viele Bücher gelesen um zu wissen, was ich für dich tun kann.
Wissen ist Macht und ich hasse es, macht- und hilflos zu sein.
Google war meine beste Freundin und ich konnte viele hilfreiche Tipps und Erfahrungsberichte nachlesen
(Memo: Ich bin ein Optimist und nutze Google nur um positive Dinge zu erlesen. Pessimisten sollten Google generell als Ratgeber meiden, da sie vermutlich nur das Schlimme rauslesen).
Bittere Aprikosenkerne, Himbeeren, Hundefutter mit hohem Fleischanteil, Schilddrüsenhormone, wenig Stress und viel positiver Glaube waren ab da bei uns an der Tagesordnung, weißt du noch?
Wir waren regelmäßig alle paar Wochen beim Röntgen und jedesmal wenn ich sah, dass dein kleiner süßer Körper frei von Metastasen war, viel mir ein sehr großer Stein vom Herzen.
Wir waren also erstmal krebsfrei und haben eine zweite Chance bekommen.
DANKE KARMA. 

Nach knapp 2 Jahren, vor 4 Wochen ging es wieder los.

Eine Entzündung der Speicheldrüse bereitete dir Schmerzen.

Schlucken war mühsam, das Essen schmeckte nicht mehr und dieses doofe Gefühl schlug auf deine Laune.

Als wir bei deinem Tierarzt waren, vermutete der Doktor schon, was mit dir los ist.

Er nahm sofort Blut ab und machte einen Ultraschall von deinen inneren Organen.

Große Lymphdrüsen im Unterleib und vermutlich ein neuer Tumor auf der Milz waren eindeutig zu erkennen.

Schon beim Ultraschall liefen meine Tränen, denn ich wusste genau, was das zu bedeuten hatte.

Stark sein, Luisa! Tapfer sein, kleiner König.

Jetzt hieß es erstmal, dein primäres Problem zu lösen.

Es wurde eine Biopsie von deiner Speicheldrüse gemacht und das Ergebnis machte mir Hoffnung, denn es waren keine Krebszellen zu finden.

Ich war so erleichtert, dass ich den Knoten auf deiner Milz völlig verdrängt hatte.

Du hast Antibiotika bekommen, die Entzündung der Speicheldrüse ging weg und das Fressen funktionierte auch wieder - vorerst.

Der Arzt wollte sich nochmal deinen Bauch anschauen (Stimmt, da war ja was!?).

Als er den Fleck auf deiner Milz ausgemessen hat, war klar, er ist etwas gewachsen.

Ich wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und musste ich mich entscheiden. Noch eine Operation, mit der Gewissheit, dass der Knoten bösartig ist?

Oder schone ich deinen kleinen Körper jetzt, und lass das Schicksal entscheiden?

Ich dachte mir also, ... wäre der Knoten gutartig, würde er dich derzeit nicht stören.

Ist der Knoten allerdings bösartig, zählt er zu den aggressivsten Krebsformen und die Operation würde dir ohnehin nicht viel mehr außer unnötigen Stress bereiten.

Genau das sagte mir auch der Tierarzt.

Er hat mir empfohlen, dir Metacam zu geben.

Metacam ist ein Schmerzmittel das erfahrungsgemäß Tumore lange ruhig (klein) hält, - also probierten wir es einfach.

Metacam hat leider auch die Nebenwirkung, dass es den Magen ziemlich reizt.

Du hast es einmal bekommen und danach vier Nächte hintereinander gespuckt.

Somit wurde auch der Hunger wieder weniger.

Direkt nach dem absetzen gab es dann Cortison um deinen Hunger wenigstens wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Das hat kurz funktioniert und dann war es auch schon wieder vorbei.

Ich habe nach Rücksprache mit dem Doktor die Schulmedizin für dich komplett abgesetzt. Deine Symptome wechselten von erbrechen, zu einpullern im Schlaf und von Schwäche zu Haarausfall.

Trotzdem hast du immer wieder versucht, der glückliche und fröhliche König zu sein, der du immer warst.

Meine Nerven lagen blank. Dich leiden zu sehen, ist das Schlimmste für mich.

Wir haben uns jetzt gemeinsam für Homöopathie entscheiden.

(Übrigens: Chemotherapie oder Strahlentherapie wäre weder für mich, noch für meine Tiere, je Option. Das hat verschiedene Gründe und Ansichten, die ich zu diesem Thema habe.)

Auch diese Mittel halfen jetzt leider nur noch kurz und ich habe es endlich verstanden, mein Schatz. Es ist soweit ...

Ich habe mich wieder mit dem Thema „Sterbephasen bei einem Hund“
auseinandergesetzt und viel dazu gelesen.

Ab diesem Moment hat sich tatsächlich eine tiefe innerliche Ruhe in mir ausgebreitet.
Ich dachte immer, ich würde diese Situation nicht nervlich aushalten, wenn sie einmal kommt.
Aber wenn man sein Tier selbstlos liebt, dann ist man irgendwie stark.

Man spürt genau, dass lieben auch loslassen bedeutet und dass die letzte Reise etwas ganz Besonderes sein soll.

Eine Besonderheit, die es gilt, seinem Tier so schön wie möglich zu gestalten.

Und genau das möchte ich für Dich, mein kleiner König.

Deswegen weine ich gerade nur wenig.

Ich möchte, dass du dich frei und sicher fühlst, ohne mich zusätzlich noch trösten zu müssen.

 

Natürliches Sterben verläuft immer „irgendwie“ gleich,

vorausgesetzt, man versucht den Körper nicht künstlich am Leben zu erhalten.

Menschen und Tiere bzw. Hunde gleiten beim Sterben normalerweise in vier Sterbephasen. Im Buddhismus vergleicht man sie mit den Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft.

 

Erde - Die Aufnahme von Nahrung wird verweigert, Muskeln bauen ab, dem Körper wird keine neue Energie zugefügt und er wird müde.

Wasser - Der Stoffwechsel stellt sich langsam ein, Körperflüssigkeiten werden eventuell unkontrolliert ausgeschieden und es wird keine Flüssigkeit mehr aufgenommen.

Feuer - Die letzten Energiereserven müssen raus. Der Körper hat das sogenannte „aufblühen“ und es scheint vielleicht so, als würde er wieder komplett gesund werden wollen. Diese Phase ist sehr schwer, da sie alle Beteiligten sehr verwirren kann.

Luft - Der Körper wird sehr schwach, die Atmung verändert sich spürbar und wird immer flacher bis der letzte Atemzug getan ist.

 

Nun habe ich die Wahl, wie ich dich durch diese Phasen begleite.

Du darfst niemals leiden.

Wenn ich spüre, dass du leidest, werde ich unseren Doktor fragen, ob er uns bei deiner Reise hilft.

Wenn du nicht leidest, genieße ich die Ehre, auch auf dieser Reise als stolze Königs-Mama an deiner Seite zu sein zu dürfen. 

Jetzt ist der dritte Tag, an dem du gar nichts mehr gefressen hast.

Durst hast du noch und auch die Windel ist momentan immer sauber, weil du draußen fein pipi machen gehst. Zwar wackelig und ohne das Bein zu heben - aber es klappt noch.

Wenn du rein kommst, wedelst du fröhlich mit dem Schwänzchen, als wolltest du sagen: „Schaut mal Mama und Papa, klappt noch prima! Ich bin nur ziemlich müde und möchte jetzt gerne weiterschlafen ...“.

Das darfst du, kleiner König.

Die letzte Nacht war sehr ruhig.

Du hast sogar völlig vertraut auf dem Rücken geschlafen, als sei die Welt absolut in Ordnung.

Obwohl dein kleiner Körper immer schwächer wird, bist du so glücklich und gibt’s dich der Situation einfach hin. Mama ist so stolz auf dich!

Ich musste heute einfach nochmal den Segen von unserem Doktor haben, dass ich wirklich alles für dich getan habe. Er sah dich an, tatstete dich ab und sagte:

„Ja, wir haben alles getan. Jetzt ist es an der Zeit loszulassen.“

Du weißt es und der Doktor weiß es, - ich möchte dich am liebsten auf natürliche Weise gehen lassen.

Du sollst selbst entscheiden, wann du diesen Schritt gehen möchtest.

Der Doktor hat mir jedoch geraten, dich würdevoll gehen zu lassen.

In deinen letzten Stunden wirst du es nicht mehr schaffen, uns zu zeigen, dass du glücklich bist. Dabei ist es genau das, was du möchtest. Du möchtest uns glücklich machen, indem du uns deine Fröhlichkeit zeigst.

Was tue ich jetzt also? Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen in meinem Leben und ich möchte immer nur das Beste für dich.

Wir haben uns entschlossen, dass wir das Wochenende noch mit dir gemeinsam aus tiefsten Herzen genießen.

Solltest du weiterhin nicht fressen wollen, mehr abbauen und nicht von alleine gehen wollen, wird am Montag der Tierarzt kommen und uns helfen.

So wirst du hoffentlich würdevoll auf den Weg zur Regenbogenbrücke gebracht.

Ich habe Angst.

Es wären jetzt noch zwei volle Tage, an denen ich dich in diesem Leben in meiner Nähe habe.

Der Gedanke daran bereitet mir starke Bauchschmerzen, denn ich vermisse dich jetzt schon so sehr.

Du bist ein Teil von mir und wirst es immer bleiben.

Ich stelle mir vor, wie du auf der anderen Seite „Blumen pflücken“ und „Zeitung lesen“

(so haben wir es immer genannt, wenn du wie wild überall geschnüffelt und alles markiert hast) gehst.

Ich muss schmunzeln, denn ich weiß, ... wenn ich irgendwann zu dir (in diese Welt) kommen würde, würdest du erst spät merken, dass ich da bin.

Du warst hier immer extrem in das „Zeitung lesen“ vertieft. Du wirst es in deiner neuen Welt genauso sein, - solange bis auf dieser Welt wieder ein kleiner König benötigt wird. :-)

Heute ist Sonntag der 18.03.2018 und du bist noch immer bei mir, süßer Schatz.

Du bist so tapfer, dass es mich sprachlos macht.

Gestern haben wir viel gekuschelt und dabei tibetische Meditationsmusik gehört.

Kerzen brannten, Roma lag neben dir, deine Katzen-Freundin Finie lag in deiner Nähe, Lörtschi beobachtete dich (wie immer) sicher vom Katzenbaum und dein Papa und ich hatten dich immer im Blick und haben dich viel gestreichelt.

Es war schön und du warst so entspannt.

Dein Schwänzchen hat immer wieder gewedelt und du hast dich gemütlich hingelegt.

Ich sehe, dass du der ganzen Situation vertraust.

Selbst wenn ich die Terrassentür geöffnet habe, bist du manchmal noch gekommen (langsam und mit kleine Plumpser deiner Hinterbeine - aber mit fröhlichen Augen).

Pipi machen funktionierte ohne Beinchen heben und selbst das große Geschäft hast du noch versucht zu machen. Aber wo nichts drin ist, kommt auch leider nichts heraus.

Auf dem Rückweg hast du immer nochmal einen großen Schluck getrunken um dich danach wieder im Warmen bei uns einzukuscheln.

Ich sehe deine Schwäche.

Aber ich erkenne auch deine unerschütterliche Lebensfreude.

Wir schliefen nun schon die dritte Nacht bei dir im Wohnzimmer und dein wundervoller Papa ist neben Dir auf dem Boden eingeschlafen.

Ich hatte Angst zu schlafen. Ich möchte nicht, dass du alleine bist, wenn du dich auf den Weg machst.

So waren Papa und ich alle 30 Minuten wieder wach um zu schauen, wie es dir geht.

Du warst ruhig und hast gemütlich geschlafen. Also konnten wir es auch, - ein wenig.

Ich habe geträumt.

Die Erlösung durch den Tierarzt (auch wenn ich mir keinen Besseren dafür vorstellen könnte), bereitet mir Bauchschmerzen.

Du hast keine Schmerzen und bist (wenn auch schwach) noch so gerne bei uns.

Außerdem mögen wir den Buddhismus und dieser sieht im Sterben nichts Schlimmes.

Im Gegenteil. Er begegnet dem Sterben freudig, denn es bedeutet nicht das Ende.

Es bedeutet, dass die Reise des Geistes weitergehen wird.

Wenn irgendwo ein neues Lebewesen gezeugt wird, benötigt es auch einen Geist um entstehen zu können.

Dein Papa und ich schmunzelten, denn vermutlich wirst du dann irgendwo als „stolzer, fröhlicher Flummi auf die Welt geschossen“. :-)

Du bist in diesem Leben ein Shih-Tzu (ein tibetischer Löwenhund) und welche Lebensphilosophie würde besser zu dir passen als der Buddhismus? 

Das Nachhelfen durch den Tierarzt bereitet mir wirklich Unbehagen.

Die Nacht verlief also ruhig. Morgens um 9:00 schien die Sonne in das Wohnzimmer.

Ich öffnete die Augen und sah dich.

Du hast versucht etwas zu trinken und auch das Schwänzchen wedelte wieder.

Als du bemerkt hast, dass ich wach bin, hast du dich noch mehr gefreut, als würdest du sagen:

„Hallo Mama, ich freue mich dich zu sehen! Ich hab schonmal versucht was zu trinken. Das ist aber irgendwie ganz schön anstrengend geworden?“.

Ich habe angefangen zu weinen.

Dieser Lebenswille und diese Lebensfreude in deinem kleinen Körper ließen meine Tränen laufen.

Ich habe dich geschnappt und bin mit dir in den Garten gegangen.

Es war sehr kalt aber der Himmel war strahlend blau und wolkenlos.

Du hast den Wind geschnuppert und wolltest von meinem Arm herunter um im Gras zu laufen.

Ich schaute dich voller Liebe an und stellte mir die Frage:

„Ist heute vielleicht ein guter Tag für dich zum Sterben?

Ist es meine Aufgabe dich heute durch den Tierarzt zu erlösen?

Ist es jetzt für mich an der Zeit, die Entscheidung für dich zu übernehmen?“

Nachdem du allein pipi gemacht hast, nahm ich dich wieder mir rein und sprach mit deinem Papa über meine Gedanken.

Du hast dich derweil in deine Kuscheldecke eingemummelt.

Dein Papa hatte wieder Tränen in den Augen, schaute dich an und sagte:

„Aber schau doch mal. Er hat überhaupt keine Schmerzen und fühlt sich wohl bei uns.

Er ist nur schwach!“

Ich sah dich an und wusste sofort, er hatte recht.

Warum sollte ich dich erlösen, nur weil ich jetzt von meinen Gefühlen überwältigt bin?

Du bist glücklich, - hier, jetzt, in diesem Moment, heute - in diesem Shih-Tzu-Leben.

Ich werde morgen den Doktor anrufen (ich hatte es versprochen!) und ihm sagen,

dass wir es alleine schaffen.

Ich werde ihn nur um Hilfe bitten, wenn du in irgendeiner Form noch leiden solltest.

Ich legte mich zu dir, streichelte deinen zarten, schwachen Körper und flüsterte dir schöne Worte zu.

Ich flüsterte auch: „Du darfst loslassen, mein Baby.

Wir erlauben dir, dass du gehen darfst.

Du musst nicht weiter an diese schwache, kaputte Hülle festhalten.

Alles ist okay wie es ist und wenn du sie loslassen möchtest, darfst du das.“

 

Gegen Mittag öffnete ich wieder die Terrassen-Tür.

Du schautest aufmerksam auf und wolltest natürlich mit.

Zwar langsam - aber gut Ding will Weile haben.

Du liebst es, draußen sein zu dürfen und hast es dir direkt auf dem Rasen gemütlich gemacht.

Es war ziemlich kalt aber trotzdem schien die Sonne warm.

Ich habe eine Decke aus dem Wohnzimmer geholt und legte sie draußen auf den Boden. Zusätzlich holte ich deinen Rentier-Pulli, zog ihn dir an uns setzte mich mit dir auf die Decke in der Sonne.

Papa sah uns beide und brachte uns direkt noch mehr Decken, damit wir nicht frieren konnten. :-) Es war ein magischer Moment, den ich nie mehr in meinem Leben vergessen und missen möchte.

Ich habe mich mit dir zusammen in die vielen Decken gekuschelt, der Wind wehte um unsere Locken und die Sonnenstrahlen wärmte unsere beiden Schnuten.

Ich hielt deinen kleinen Körper ganz warm und spürte, wie du es genossen hast, die frische Luft zu atmen und zu schnüffeln.

Dein Köpfchen lag vor meinem Gesicht und dahinter strahlte die Sonne auf uns beide.

Ein Augenblick, den ich gerne für immer anhalten wollte.

Du bringst mir auf deine letzten Tage richtig bei, wie wertvoll es ist, den Augenblick zu leben, mein little Buddha.

Langsam habe ich das Gefühl, -nicht ich begleite dich, sondern du begleitest mich auf deine letzte Reise.

Die letzte Nacht war wieder sehr ruhig.

Wir haben uns diesmal früher hingelegt und du hast es uns entspannt nachgemacht.

Der heutige Tag war eine besondere Erfahrung, denn ich habe um 9:00 Uhr den Tierarzt angerufen und ihm mitgeteilt, dass du es derzeit noch genießt bei uns zu bleiben.

Ich würde es mir nie verzeihen, dir dein Leben zu nehmen und dich einschläfern zu lassen, nur weil du einfach schwach bist.

Du bist noch fröhlich und das zählt!

Um 14:00 Uhr haben wir wieder im Garten in der Sonne gelegen.

Du lagst vor mir auf den Rücken und hast deinen mageren Bauch gesonnt.

Ich habe gegrinst und war dankbar für diesen weiteren Augenblick.

Wenn ich dich so sehe, lohnt es sich, jeden Tag für dich da zu sein.

14:00 Uhr - ein wunderschöner Augenblick mit dir, der uns nicht geschenkt worden wäre, wenn der Arzt dich heute Mittag erlöst hätte.

Ich habe die richtige Entscheidung getroffen!

 

Ich denke heute über die Vorteile meiner beruflichen Selbstständigkeit nach.

Hätte ich einen normalen Beruf, in dem ich angestellt bin, hätte ich vermutlich schon die Kündigung bekommen.

Es wäre für mich undenkbar, jetzt nicht an deiner Seite zu sein und es gibt auch momentan nichts Wichtigeres für mich.

Ich hätte für dich eine Kündigung hingenommen und gleichzeitig denke ich über die lieben Tierbesitzer nach, die nicht meine Möglichkeiten haben.

Die arbeiten gehen müssen oder nur ein bis zwei Tage Urlaub bekommen, um ihren besten Freund zu begleiten.

Natürlich wählen sie dann lieber die Hilfe durch den Arzt, damit ihr Tierkind nicht allein versterben muss oder eventuell allein leidet.

Das macht mich traurig und ich wünschte mir, dass alle Tierliebhaber diese Chance hätten, die ich momentan mit dir habe.

 

Papa hat heute morgen direkt eine Woche Urlaub eingereicht, denn du hast ihm gezeigt, dass es kaum wertvollere Momente gibt um Urlaub zu nehmen.

Ich spüre, wie sehr er dich lieb und wie wichtig es ihm ist, jetzt auch in deine Nähe zu sein.
Heute um 18:00 Uhr gab es Futter für Roma.

Du freust dich zwar immer noch, wenn die Futterknöpfe in der Schüssel klirren aber es schmeckt dir alles einfach nicht mehr.

Ich bin heute an unsere Schöni-Tüte gegangen und habe dir einfach einen Kauknochen geholt.

Ich konnte nicht glauben, was ich sah. :-)

Du hast ihn genommen und wirklich ein wenig drauf rumgekaut!

Mir ist bewusst, dass das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war, - allerdings war dies die zweite Bestätigung für mich, dass es heute richtig war, dich weiter bei uns zu behalten. Übrigens: Vor dem Kauknochen hast du draußen sogar nochmal ein ganz kleines, großes Geschäft gemacht. Ich hielt auch das nicht mehr für möglich!

Jetzt schläfst du wieder und ich liege mit mit einem Buch neben dir auf dem Boden.

Es heißt tatsächlich: „Der Buddha auf vier Pfoten“.

Das bist DU für mich auch, mein kleiner lebensfroher Schatz.

Dein Papa fragte mich heute:

„Was haben wir oder was hat Luma getan, dass er so früh schon gehen muss? Warum haben wir schlechtes Karma?“

Warum es so früh für dich sein muss, das kann ich leider nicht genau beantworten.

Dass wir dich jetzt am Ende mit so vielen positiven Momenten begleiten dürfen, ist für mich allerdings sehr gutes Karma. 

Dienstag - 20.03.2018: Karma?

Ich bin gerade etwas verwirrt und glücklich zugleich.

Ich lerne gerade wieder, die kleinen Dinge des Lebens unheimlich zu schätzen.

In der letzten Nacht haben wir alle tief und fest geschlafen. Das tat wirklich gut!

Vorhin hat die Post geklingelt und du warst so aufgeregt und munter wie immer.

Deine wackeligen Beinchen haben dich nicht so schnell vorangebracht, wie du es gerne gewollt hättest - dennoch hat deine muntere Seele deinen Körper einfach irgendwie mitgenommen.

Der Spaß ging direkt weiter, denn es kam ein Geschenk von deiner Patentante Biene.

Ein Kuschelherz. Du freust dich immer so sehr über Ihre lieben Aufmerksamkeiten.

Heute war die Freude sogar so groß, dass ich sie nutzen konnte um dich mit Frolics zu füttern.

Frolics liebtest du schon als Baby (gesund hin oder her) und heute hast du (nach sieben Tagen ohne Fressen) sage und schreibe sechs(!) Frolics verdrückt. :-)

Dein Papa und ich sind sprachlos! ...

Jetzt nur nicht zu viel, damit der Magen damit umgehen kann und es auch in dir bleibt. Nun noch einen großen Schluck Wasser und dann wird weiter geschlafen.

Handelt es sich jetzt um Phase 3 der vier Sterbephasen oder darf ich wieder Hoffnung entwickeln?

Wir lassen alles auf uns zukommen und genießen jeden Moment so, wie er kommen wird. Egal was morgen ist, jetzt haben wir heute.

 

Heute ist Donnerstag der 22.03.2018 und ich entwickle wieder Hoffnung, mein Bär. Gestern hast du 22 Frolics gegessen und heute hast du nach drei Wochen zum ersten Mal endlich wieder deinen Kaustick zum Frühstück angenommen.

Zwar nur bisschen zum knabbern aber ich spüre - DU möchtest!

Ich weiß nicht, was ich sagen soll außer - ICH FREUE MICH SEHR DARÜBER.

Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird.

 

Heute ist Dienstag der 27.03.2018

und wir haben weitere 8 Tage zusammen erlebt und geschafft.

Du hast jeden Tag ein bisschen gefressenen, getrunken, konntest dein Geschäft ordentlich machen und hast dich auch noch für das Spielen interessiert.

Heute ist es allerdings wieder schlechter.

Du hast zwar gefressen aber taumelst beim Laufen.

Deine Hinterbeine wirken schwer.

Vorhin fühlte ich, dass dein linkes Hinterbein angeschwollen ist.

Aus Verzweiflung wollte ich direkt wieder mit dir zum Tierarzt aber dein Papa hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Was sollte der Tierarzt tun? Röntgen? Blut abnehmen?

Dich jetzt wieder in Stress versetzen? Er hat recht.

In so einer Situation spüre ich, dass meine Hoffnung einfach noch nicht komplett verschwunden ist.

Ich beobachte dich und jetzt sitzt du da und spielst wieder vorsichtig mit Roma ihrer Decke. Ich erkenne Schwäche aber keine Schmerzen.

Wir haben abgemacht, dass wir es zusammen durchstehen, also tun wir das auch. Solange ich statt Schmerzen immer noch ein bisschen Lebenslust in dir erkenne,

brauchen wir keine Hilfe.

Ich muss meinen Aktionismus und meine Hilflosigkeit unter Kontrolle bekommen.

Nur weil ich schwach (hilflos) und voller Schmerz (dich zu verlieren) bin,

sollst du nicht darunter leiden.

Ich muss mich wieder beruhigen, klar denken und deine Krankheit im Endstadium akzeptieren.

 

Mehr und mehr spüre ich, dass es einfach keine allgemeine Lösung für diese Situation gibt. Ich lese jeden Tag im Internet nach, um herauszufinden, wann und ob ich dich erlösen soll?

Ob ich vielleicht zu egoistisch bin und nicht loslassen kann?

Aber wenn ich dich spielen sehe oder wenn du gemütlich auf dem Rücken schläfst,

wer kann da von mir erwarten, dir dein Leben einfach zu nehmen?

Es gibt keine Lösung und es gibt erstrecht keinen einfachen Weg!

Noch weniger gibt es gute Ratschläge im Internet, z.B.:

„Du musst ihn erlösen! Quäle ihn nicht! ... .“

Das kann niemand Fremdes entscheiden, - weder Tierarzt noch Hundeforen-Mitglieder. Niemand steckt exakt genau in unserer Situation.

Niemand von ihnen sieht, was ich sehe und keiner von ihnen fühlt, was du fühlst.

Ich würde einem Menschen niemals mehr in sein Gefühl reden, wenn es um dieses Thema geht.

Ich hätte weder das Recht, noch genügend Ahnung um diese Situation für eine andere Person (inkl. Tierkind) zu beurteilen.

Jeder Tierhalter hat eine eigene große Verantwortung, zu der leider auch immer diese Erfahrung gehört.

Am wenigsten käme für mich in Frage, dich zu erlösen, weil es dann einfacher für mich wäre.

Das wäre so, als würde ich etwas Lästiges „entsorgen“ und ich könnte es mir nie verzeihen.

Du bist ein Geschenk! Wenn meine Gefühle mal durcheinander sind, gibt es zum Glück noch deinen Papa.

Er schafft es immer meine Gefühle wieder richtig zu ordnen und wenn sie dann geordnet sind, erkenne ich ganz klar:

„Höre auf dein Herz, Luisa! Schau Luma an und höre auf dein Herz.

Es war dir bisher immer ein guter Wegweiser!“

Heute ist Ostermontag, der 02.04.2018.

Ich erkenne die nächsten Schritte der Sterbephasen und ich sehe Parallelen zum meiner früheren tierischen Freundin Turna.

Turna war mein Hamster. Ich habe sie mit 16 zum Geburtstag bekommen und genau 2 Jahren später ist sie am 14.10 zu meinem Geburtstag auf meiner Brust verstorben.

Diese Geschichte werde ich nochmal extra aufschreiben und erzählen.

Auch diese Sterbebegleitung war damals wie ein kleines Wunder und ich habe viel daraus gelernt.

Jetzt, fast 14 Jahre später, bin ich meiner kleinen Turna sehr dankbar für diesen Weg.

Ich erkenne ihr damaliges Verhalten in deinem, mein Luma.

Wir haben die letzten Tage noch viele schöne Stunden gehabt.

Du konntest nochmal durch deinen geliebten Schnee laufen und wir haben zusammen eingekuschelt in der Sonne gelegen. Jetzt stellt sich langsam alles bei dir ein.

Gefressen hast du schon drei Tage nicht mehr.

Trinken und pipi machen funktioniert seit gestern nicht mehr.

Deine Atmung wird schwer und du drückst die Luft und das Leben aus deinem schönen aber kaputten kleinen Körper heraus.

Du kannst auch nicht mehr aufstehen und zitterst hin und wieder.

Ich beobachte dich genau!

Natürlich stelle ich dir und mir immer wieder die Frage der Euthanasie (Erlösung). Schwäche und der natürlich Verlauf des Sterbens ist in Ordnung aber Schmerzen und Qualen lasse ich nicht zu.

Ich streichle dich, spreche leise mit dir, gebe dir Sicherheit und das Gefühl von Ruhe.

Das letzte kleine Stückchen von deiner Schwanzspitze versucht noch zu wedeln.

So als wolltest du mir sagen: „Keine Sorge, Mama. Alles wird gut!“.

Okay. Ich lege mich zu dir und schenke dir dieses Gefühl zurück.

Gestern konntest du schon nicht mehr laufen und trotzdem hast du abends auf dem Sofa wieder auf dem Rücken geschlafen. :-) Typisch ShihTzu!

Als sei die Welt völlig in Ordnung. Deine Seele ist so vorbildlich und friedlich.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich nur noch in der Vergangenheit schreiben kann, denn leider hast du uns am 04.04.18 verlassen, mein wunderschöner Stern.

Ich habe ihn sehr oft gelesen und gehört, diesen einen Satz:

„Du spürst es, wenn es soweit ist und er wird es dir mitteilen“

- aber ich hatte Sorge es zu übersehen.

Ich kann nun sagen, ich habe es ganz genau gespürt! 

Es war am 03.04.18 gegen Abend.

Ich saß im Wohnzimmer an meinem Laptop und habe gearbeitet, als du plötzlich deinen Kopf gehoben hast und mich sehr lange und intensiv anschautest.

Es schmerzte sofort in meinem Magen und ich hatte den Laptop geschlossen.

Irgendwas war anders und ich fühlte es.

Ab diesem Moment wusste ich, jetzt ist die Zeit gekommen.

Ich habe mich gemütlich mit dir auf das Sofa gelegt, dich beruhigt und gestreichelt.

Deine Atmung wurde schwerer.

Um 21:00 Uhr hat dein Papa sich unter Tränen bei dir verabschiedet, weil er arbeiteten musste.

Aber du wusstest wahrscheinlich genau, dass er nicht wollte, dass du ohne ihn gehst.

Eine intensive und ängstliche Nacht hat begonnen.

Du warst schwach aber deine Augen waren weit offen.

Ich habe gesehen, du hattest Angst vor diesem neuen Schritt.

Ganz leise und kurz hast du zwischendurch gewimmert und ich habe dir ununterbrochen gut zugeflüstert.

Das Schlimmste war deine Panik für mich.

Ich habe gefühlt, dass du noch nicht gehen wolltest.

Immer wenn sich etwas in deinem Körper tat, hast du dich schnell aufrecht setzen wollen, hast deine Kulleraugen noch weiter aufgerissen, mich angesehen und einen sehr schnellen Herzschlag bekommen.

Ich war so nah bei dir.

Kerzen brannten, leise Musik war an und ich habe dich wie eine Mutter umsorgt.

Diese Panikanfälle hast du in dieser Nacht insgesamt dreimal gehabt.

Als du gegen 2:00 Uhr das erste Mal zur Ruhe gekommen bist, habe ich mich mit dir zwischen vielen Decken an die Terassentür gelegt.

Es tat dir gut, denn deine Atmung wurde ruhiger.

Du hast ein wenig neben mir geschlafen und ich habe in die Sterne geschaut.

Bis 6:00 Uhr hattest du immer wieder unruhige Momente, bist aber letztlich gemeinsam und erschöpft mit mir auf dem Boden eingeschlafen.

Um 7:00 Uhr kam dein Papa wieder nach Hause und es war nicht zu übersehen,

dass ihr euch beide gefreut habt, euch nochmal zu sehen.

Dein Papa löste mich ab und schlief nun gemeinsam mit dir auf dem Boden - bis 11:00 Uhr.

Als wir gemeinsam aufgestanden sind, habe ich dich wieder sehr genau beobachtet.

Alles viel dir nun schwer.

Selbst beim trinken musste ich dich komplett stützen und halten, damit es funktionierte. Wir haben uns also mit dir gemeinsam in den Garten gelegt und uns unterhalten.

Es war an der Zeit, dir zu helfen, mein kleiner Schatz.

Ich wusste, jetzt ist der Moment, an dem ich stark sein und dir helfen musste.

Während Papa dich streichelte, habe ich alle nötigen Anrufe getätigt.

Der Tierarzt sollte um 13 Uhr zu uns kommen und auch deinen Bestattungstermin am nächsten Tag, habe ich geregelt.

Nun hieß es, die letzten beiden Stunden sind angebrochen, mein wunderschöner Freund. Wir haben dich gestreichelt, dich beruhigt und dir mit viel Liebe zugesprochen.

Alles wird gut, wir sind bei dir.

Ich legte mich im Wohnzimmer auf das Sofa in eine kuschelige Ecke und legte dich auf meine Brust.

Du hast mir vertraut und alles war ruhig.

Dein Schwänzchen wedelte immer noch vorsichtig.

Papa schaute, ob der Tierarzt kommt und du hast noch einmal kurz Panik bekommen und mich ängstlich angesehen, als wir beide alleine waren.

Als der Doktor (dein Kumpel) jedoch rein kam, hast du dich gefreut ihn zu sehen.

Auch er streichelte dein kleines, schwaches Köpfchen, begrüßte und beruhigte dich.

Du hast deinen Kopf dann an mein Herz auf meine Brust gelegt und mir in die Augen gesehen.

Deine Augen wurden schon von alleine schwer, weil mittlerweile alles so anstrengend für dich war.

Der Doktor blieb hinter dem Sofa stehen und kümmerte sich um die Vorbereitungen, während du dich schon allein sehr entspannt hast.

Er wies mich darauf hin, dass es an deinem Po für dich etwas brennen könnte und zu reflexartig zucken wirst. Aber nichts.

Das Narkosemittel gelang in deinen Körper und du schautest mich noch lange an.

Du wurdest schwer und jegliche Anspannung wich aus deinem kleinen Körper.

Deine Augen bleiben offen und du schautest mich an. Warst du noch da?

Ich fragte den Arzt und er fühlte deine Augen. Ja, du warst noch da.

Du hast jetzt nur tief und fest geschlafen. Dieser Übergang war so zart und ruhig.

Nun kam der Arzt auf die andere Seite vom Sofa und rasierte dein Vorderbeinchen.

In deinen Hinterbeinen hatte sich schon zu viel Wasser gesammelt um dort eine Vene zu finden.

Vorsichtig und behutsam legte er dir den Venenstauer an, um dir deine letzte Spritze zu geben.

Auch dieser Übergang war sehr ruhig.

Deine Augen bleiben unverändert offen.

Du schautest mich an.

Der Arzt öffnete den Venenstauer und massierte dein Beinchen um wenige Minuten später mit dem Stethoskop deinen Herzschlag zu kontrollieren.

Ich schaute ihn dabei an und er nickte mit einem sehr beruhigenden Blick.

„Luma hat es geschafft.“ ...

Ich weinte und doch verspürte ich Glück und Dankbarkeit in mir.

 

Wir müssen diesen Weg alle eines Tages gehen und du, mein Schatz, bist ihn voller Liebe und mit viel Ruhe, wie ein kleiner tapferer König gegangen.

Genau so, wie es dir zustand.

Wir werden dich immer lieben!

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Kommentare: 4
  • #1

    Sanne (Dienstag, 14 August 2018 21:26)

    El amor es tan profundo como el mar – ves el principio pero jamas el final...
    Und immer wenn ein Wind weht, wissen wir, du warst hier um nach den rechten zu sehen... „Ich kann nicht lange bleiben.“flüstert der Glücksmoment. „ Aber ich leg dir eine Erinnerung ins Herz!“

    Liebe Luisa ich bin so stolz auf Dich, Deine Stärke und Geduld... ich finde Du hast alles richtig gemacht und in Deinem Herzen ist der kleine Mann immer präsent und das kann Dir niemand nehmen �

  • #2

    SUSANNE (Mittwoch, 15 August 2018)

    Liebe Luisa, Ich habe meine Klara am 9 August verloren, sie hätte einen Darmtumor. Danke für deine Geschichte. Unsere Trauer ist groß, aber wir sind auch sehr dankbar für die schöne Zeit mit ihr. Liebe Grüße Susanne

  • #3

    Christina (Freitag, 07 September 2018 13:52)

    Einfach wunderschön geschrieben. Ich habe es gelesen, mit vielen Tränen. Dem kleinen König geht es sicher gut, jetzt beim Zeitung lesen :) Und irgendwann werdet ihr euch wiedersehen!

  • #4

    Jan Janisch (Donnerstag, 24 Januar 2019 08:36)

    Wunderschön geschrieben!